Auf dem Fachpanel „Fair Play – Wer finanziert die Zukunft der Livemusik?“ im Rahmen der Konferenz STADT NACH ACHT in Berlin am 27.11.2025 wurde deutlich: Die Livemusik steht an einem Wendepunkt – und der Live Music Fund Germany setzt genau dort an, wo der Markt zu kippen droht.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Keynote des britischen Music Venue Trust-Gründers Mark Davyd, der eindrücklich schilderte, wie Großbritannien mit einem branchengetragenen Fonds bereits strukturelle Verbesserungen erreicht hat – unterstützt von Superstars wie Coldplay, Katy Perry und Institutionen wie der Royal Albert Hall.
„Every career starts in front of five people.
That’s the real story of music.“
(Mark Davyd)
Er warnte eindringlich vor dem Verlust kleinerer und mittlerer Spielstätten und machte klar, dass Selbsthilfe notwendig wird:
„It’s not charity – it’s investment.
Don’t wait for government to wake up.
Don’t just fund problems – fix them.“
Schere zwischen Mega-Events und Nachwuchs – Podium zeigt Dringlichkeit
Auf die Frage der Moderatorin Hadnet Tesfai nach der „größten Bedrohung für die Livebranche“ zeichnete das Podium ein einheitliches Bild:
Carsten Roth (Schlachthof Wiesbaden): „Die Schere im Livemusik-Markt geht weiter auf – wirtschaftlich wie strukturell.“
Pamela Schobeß (Club Gretchen Berlin / LiveKomm): „Wenn nichts passiert, werden Nachwuchsbands schlicht nicht mehr stattfinden können. Nur noch wirtschaftlich Erfolgreiches, aber keine Vielfalt.“
Caren Lay (MdB Die Linke, Vorsitzende Bauausschuss Deutscher Bundestag): „Wir erleben massive Verdrängungsprozesse. Clubs brauchen Mietendeckel, Baurechtsreformen – und brauchen nach der politischen Anerkennung von Clubs als Kulturstätten auch ein politisches Handeln.”
Felix Grädler (Vorstandsmitglied Bundesstiftung LiveKultur / Initiator Live Music Fund): „Wir verlieren Veranstaltungsorte unwiederbringlich. Jetzt ist der Moment gegenzusteuern.“
Das Panel war sich einig: Wir verlieren die musikalische Vielfalt, wenn nicht entschlossen gehandelt wird.

(Bild: Christoph Jakschies)
Der Live Music Fund Germany: Solidarisches Modell aus der Branche für die Branche
Ab 1. Januar 2026 startet der Live Music Fund mit freiwilligen Beiträgen beim Ticketkauf, eingebettet in die Ticketshops der Gründungspartner.
Felix Grädler stellte die Grundlogik klar heraus:
- Rund 70 Millionen Konzerttickets werden jährlich in Deutschland verkauft.
- 28 Millionen davon entfallen auf Clubs mit unter 500 Kapazität, die Konzerte haben aber im Schnitt nur weniger als 150 Besucher:innen.
Ein freiwilliger 1-Euro-Beitrag ab einem Ticketpreis von ca. 30 Euro erzeugt einen bundesweiten, branchengetragenen Ausgleich.
Das Geld fließt strukturiert zurück in die Regionen und in drei Säulen.
Die 3 Säulen des Live Music Fund
- Clubförderung – Stärkung kleiner unabhängiger Spielstätten
- Newcomer:innenförderung – Förderung von Ersttourneen
- Projekte & Perspektiven – Inklusion, Nachhaltigkeit, Ausbildung & Sichtbarkeit
Ein Vorteil des Live Music Fund: Die branchengetragenen Mittel können zielgerichtet und vergleichsweise niedrigschwellig eingesetzt werden. Der Live Music Fund ergänzt die Strukturen öffentlicher Förderung dort, wo schnelle und direkte Unterstützung gefragt ist – etwa bei kurzfristig gefährdeten Newcomer:innen-Shows oder akuten Liquiditätsengpässen kleiner Clubs. Felix Grädler: „Das Fundament der Branche darf nicht sterben. Der Live Music Fund ist ein Investment der Branche in ihren eigenen Nachwuchs.“
Pamela Schobeß betonte außerdem, dass der Live Music Fund an der Spitze der Wertschöpfung ansetzen müsse: „Lasst uns zuerst bei den großen Playern und hohen Ticketpreisen anfangen – dort ist der Hebel am größten.“
Fazit des Panels
Die Stimmen aus Politik, Clublandschaft, Booking, internationalen Partner:innen und der Bundesstiftung waren sich einig:
- Der Markt allein stabilisiert die Vielfalt nicht mehr.
- Die öffentliche Förderung bleibt zentral — doch sie allein wird die strukturellen Herausforderungen nicht lösen.
- Die Branche muss zusätzlich eigene Mechanismen schaffen.
Mit dem Live Music Fund entsteht erstmals ein strukturierender, bundesweiter Ansatz, der die Basis der Livemusik stärken will – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Kulturpolitik.